Spannendes Pokalwochenende leider ohne Happy End!

von FRANZ SCHULZE-BISPING, 12.01.2020

Am Wochenende fand die Vorrunde der Deutschen Pokalmannschaftsmeisterschaft im Schach im AWO Treff an der Stimbergstraße statt. Der Schachverein hatte den SV Lingen (Niedersachsen), den SC Heimbach-Weiß / Neuwied (Rheinland-Pfalz) und SC König Nied (Hessen) zu Gast.

Die Auslosung am Samstag ergab, dass es der Gastgeber nicht mit dem klaren Favoriten SV Lingen zu tun bekam. Der Gegner lautete SC Heimbach-Weiß / Neuwied. Diese Mannschaft war zwar nicht mit ihrem Spitzenbrett angereist, aber die aufgestellten Spieler wiesen doch eine ordentliche ELO-Zahl auf. Nicht umsonst kämpfen sie in der Oberliga Süd-West um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der SV Erkenschwick hatte für den ersten Auftritt des Vereins bei einer Deutschen Meisterschaft seine ersten vier Bretter am Start und war somit leicht favorisiert.

Der Kampf nahm zunächst den erwünschten Verlauf. Jelmer Jens ließ sich von seinem Gegner nicht durch eine vorbereitetes Figurenopfer überraschen. Da in der Folge sein Gegner den Gegenangriff unterschätze, konnte er mit dem erfolgreichen Königsangriff das Pokalteam in Führung bringen.

Leider konnte Robert Ris am Spitzenbrett nicht bereits das Weiterkommen sicherstellen. Nach einem Qualitätsgewinn konnte er den Materialvorteil nicht verteidigen. Da das gegnerische Läuferpaar zu viel Druck gegen seinen König entfachte, musste der die Qualität zurückgeben. Das entstandene Endspiel hatte dann kein Gewinnpotenzial mehr, so dass die Punkteteilung zum 1,5:0,5 die Folge war.

Nun fehlte zum Weiterkommen nur noch ein halber Punkt, da bei einem 2:2 die Punkte an den höheren Brettern mehr zählen. Hier war der SV Erkenschwick somit nicht mehr einholbar. Doch Thomas Willemze hatte seinen Angriff überschätzt und musste nun nach einem Weg suchen, um die drohende Niederlage zu verhindern. Am letzten Brett war die Figurenstellung von Dennis de Vreugt ausgesprochen passiv. So entschloss er sich einen Bauern zu opfern, um damit seine Figuren ins Spiel zu bringen. Das war dann auch ausreichend. Gegen die Schwerfigurenbatterie am Königsflügel konnte sein Gegner keinen wirksamen Angriff aufbauen. Nach Tausch der Damen nahm er dann das Remisangebot zum 2:1 an. Damit war die erste Runde im Deutschen Mannschaftspokal erfolgreich absolviert. Die abschließende Niederlage von Thomas Willemze brachte für die Gäste aus Rheinland-Pfalz nur noch eine Ergebniskosmetik.

In der parallelen Begegnung musste der Bundesligist SV Lingen lange kämpfen. Am Ende sicherten die Siege an den Spitzenbrettern gegen den SC König Nied den Einzug in das Vorrunden Endspiel am Sonntag.

Etwas überraschend setzten die Gäste aus dem Emsland auch am Sonntag auf zwei Siege an den beiden Spitzenbrettern, die nach den Regeln des Pokals für den Gewinn der Vorrunde ausreichen würden. An Brett 3 und 4 kamen wie bereits am Samstag keine Spieler aus dem Bundesligakader zum Einsatz.

Am ersten Brett spielte für den SV Erkenschwick an diesem Tag Jelmer Jens, der mit Schwarz eine passive, aber solide Stellung aufs Brett stellte. Bei knapper Bedenkzeit hoffte er seine Stellung befreien zu können und übersah dabei den drohenden Materialverlust. Nach Abtausch der Damen konnte er den dann nicht mehr verhindern und gab die Partie auf.

Damit war der erste Teil des Plans aufgegangen. Die Gäste waren daher auch nicht beunruhigt, dass Thomas Willemze nach einem spektakulären Damenopfer seine Figuren koordiniert zu einem entscheidenden Königsangriff führen konnte. Somit lautete der Zwischenstand 1:1.

Die Entscheidung sollte am 2. Brett fallen. Hier hatte Dennis de Vreugt unbeeindruckt von der deutlich besseren ELO-Zahl seines Gegners einen Springer geopfert und dadurch anhaltenden Angriff gegen den gegnerischen König bekommen. Bei knapper werdender Bedenkzeit überschätzte er jedoch sein Angriffspotenzial. Er hoffte mit einem weiteren Opfer - diesmal sogar ein Turm - den gegnerischen König Matt zu setzen. Am Ende fehlte ihm jedoch dazu ein Tempo. Sein Gegner konnte durch Gegendrohungen den Angriff abwehren. Nachdem dann weiteren Figuren getauscht wurden, war der Materialnachteil nicht mehr auszugleichen und der SV Lingen stand mit der 2:1 Führung als Gruppensieger fest.

So spielte es dann auch keine Rolle mehr, dass abschließend Robert Ris in seinem Turm- / Springerendspiel die A ktivierung des gegnerischen Königs zuließ. Damit war die Partie trotz Mehrbauern nicht mehr zu gewinnen. Der Endstand lautete somit 1,5:2,5.

Trotz dem ist der SV Erkenschwick mit dem Pokalwochenende sehr zufrieden. Er hat gezeigt, dass er auch gegen ein Spitzenteam aus der Bundesliga nicht chancenlos ist. Den Zuschauern wurden hochklassige und spannende Partien geboten. Die Gäste lobten unabhängig von ihrem Abschneiden die Ausrichtung des Pokalwochenendes. Im März wird des SV Erkenschwick im NRW-Pokal die Titelverteidigung in Angriff nehmen.